Reiseberichte und Presse

Mutprobe auf Finnisch

in WELT ONLINE am 7. März 2009

Von Rita Schulze

Erst Skilaufen, dann in die Sauna: Eine sportliche Reise von Gasthaus zu Gasthaus durch Nordkarelien

Darauf habe ich mich wahnsinnig gefreut: eine Woche auf Langlaufskiern rund 100 Kilometer durch den Osten Finnlands, von Gasthaus zu Gasthaus durch die tief verschneiten Wälder und über die zugefrorenen Seen Nordkareliens gleiten…

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Praktischer Finnischkurs 2007

Nach kurzer Diskussion und Überlegung buchten meine Freundin Andrea und ich Anfang diesen Jahres den „Praktischen Finnischkursus“ bei Minna und Liisa. Da wir schon gewisse Grundkenntnisse der finnischen Sprache mitbrachten, waren wir recht optimistisch, dass wir diesen Kursus doch recht gut hinter uns bringen würden.

Durch regen E-Mail Kontakt im Vorfeld waren wir gut informiert, was uns erwarten würde und ich sage nur eins: wir wurden nicht enttäuscht!!!

Die im Programm angekündigten Punkte wurden so gut wie zu 100% eingehalten. Dazu muss ich aber vorweg nehmen, dass wir beide die einzigen „Schüler“ in diesem Kursus waren und daher von 9.00 Uhr Morgens bis 21.00 Uhr Abends immer die Möglichkeit hatten Finnisch zu sprechen.

Wir wurden am Flughafen Kuopio, wie versprochen, von einem „echten“ Finnen abgeholt und sicher bis zum Gästehaus Pihlajapuu gebracht, wo wir von Liisa freundlich empfangen wurden. Nach einer gemütlichen Kaffeezeit wurden uns die Hausinfos auf finnisch vermittelt.

In den folgenden Tagen dann konnten wir nicht nur die hervorragende karelische Küche in Form von leckeren Gerichten und der Gastfreundschaft genießen, sondern auch die Landschaft in und um Pihlajapuu kennenlernen.

haus pihlajapuu

Besuche in Nurmes, dem beeindruckendem Bomba-Haus, dem Naturpark Raesärkät, dem schönen Museumshof Murtovaara, Aug in Aug mit den Rentieren und – natürlich – der Wanderung auf dem Koli, alles in Allem war dies eine interessante und erlebnisreiche Woche.

auf dem Koli Berg

Rentiere

Jeden Abend Sauna, was nach den langen Wanderungen richtig gut tat, schwimmen im nahe gelegenem See, das hervorragende Essen, welches uns Minna und Liisa abwechselnd jeden Tag auf den Tisch brachten. Sinikka, Liisas Schwester, die uns so liebevoll mit leckeren Blaubeerkuchen und ihrer herzlichen Art die Tage „versüßt“ hat. Die „Rauchsauna“ – der letzte Tag bei Liisa, mit leckerem Lachs und dem unvergessenem Erlebnis in der Rauchsauna.

beim Lachsbraten

Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt, und als wir am letzten Tag „hei hei“ sagen mussten, da war uns doch ein wenig schwer ums Herz und wir wären gerne länger geblieben.

Wir wurden von Minna und Liisa so herzlich aufgenommen und man hatte wirklich das Gefühlt, als dass man sich schon lange kennen würde. Diese familiäre Atmosphäre macht auch das Besondere an Pihlajapuu und Minna & Liisa aus. Fazit: Ich würde diesen Kursus auf jeden Fall gerne und auf jeden Fall noch einmal buchen und kann ihn einfach nur weiter empfehlen!

Leider war es uns nicht gegönnt echte, lebende Elche und Bären zu treffen. Aber ich bin mir sicher, dass wir diese, wenn wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten, mit Sicherheit am Ende auch „in Natura“ gesehen hätten!!!

Unser Dank geht an Minna & Liisa, die sich so nett um uns gekümmert haben, uns soviel von Finnland und Karelien gezeigt haben und besonders mir, als Halbfinnin, mich noch einmal an die schönen Seiten meines Mutterlandes erinnert haben.

Kiitoksia paljon
Karin & Andrea

Finnland für Blinde und Sehbehinderte

04.05.2006

Langlauf ist auch für Blinde kein Problem
© Claudia Vilmar

Rita Schroll vom Hessischen Koordinationsbüro verbrachte gemeinsam mit fünf blinden und sehbehinderten Menschen sowied drei Begleitpersonen Ende März zehn erlebnisreiche Tage in Finnland.
Auf REHACARE.de berichtet die Diplom-Sozialarbeiterin vom Hessischen Koordinationsbüro über den Aufenthalt in Finnland, der von Frauen Outdoor e.V. organisiert wurde. Der Verein bietet die Möglichkeit Sport- und Erlebnisurlaub zu kombinieren.
Wir lebten in Salmenkyla, einem kleinen Dorf umgeben von verschiedenen zugeschneiten Seen, 20 Km von Nurmes und 150 Km von Kuopio entfernt.
Wer mochte, konnte sich direkt von dem wunderschönen Holzhaus in dem wir wohnten, die Langlaufskier anschnallen und loslaufen. Gemeinsame Skilanglaufübungen und verschiedene Ausflüge mit den Ski über Seen und durch Wälder ermöglichten, den finnischen Winter zu erleben. Ausflüge mit den Schneeschuhen oder dem Lappenmoped (eine Art Stuhl mit Kufen) stand uns alternativ zur Verfügung.
Doch selbst die sportlichsten Menschen fahren wahrscheinlich nicht nur für den Sport ins Ausland. Schließlich wollen die Besonderheiten des jeweiligen Landes auch erkundet werden. Hierzu zählt in Finnland auf jeden Fall eine Hundeschlittentour. In einem bequemen Kufensessel sitzend wurden wir jeweils von fünf Huskies, die sich aufgrund des dicken Winterfells sehr flauschig anfühlten, gezogen.
In den zehn Tagen konnten wir auch am eigenen Leib erfahren, dass man nicht gleich stirbt, wenn man in ein mit Eiswasser gefülltes Eisloch taucht. Dieses Ritual gehört zur Nutzung einer Rauchsauna. Diese Art von Sauna wird in Finnland nur zu besonderen Anlässen in Betrieb genommen, da sie mit einer speziellen, sehr aufwendigen Heizmethode funktioniert.


Finnland bietet Eisfischern optimale
Bedingungen © Claudia Vilmar

Entsprechend des Vereinsnames "Frauen Outdoor", war auch eine Outdoortour im Angebot. Bepackt mit Rucksack und Schlafsäcken fuhren die Neugieren bei minus ein Grad Kälte auf Langlaufskiern zu einer Hütte. Dort bauten wir uns eine Schneehütte, damit die ganz Eisernen von uns draußen schlafen konnten. Doch auch per Snowscouter - eine Art Moped mit Kufen - konnte man in die Hütte gelangen.
In den zehn Tagen bot sich auch die Gelegenheit für einen Stadtbummel und eine Besichtigung einer Eisskulpturenausstellung. Die Abende verbrachten wir mit Filzen, genossen täglich die im Haus integrierte Sauna und einmal auch eine finnische Massage.
Trotz des vielfältigen Programmes fanden die Mitarbeiter/innen von Frauen Outdoor e.V. noch Zeit für kleine Überraschungen. So wurde uns z. B. eines Abends gemütlich am offenen Feuer sitzend, eine Feuerzangenbowle serviert.
Morgens versorgten wir uns selbst im Haus, für Mittags nahmen wir uns ein Picknick mit oder grillten verschiedene Leckereien in einer Kota (Hütte) am offenem Feuer. Nachmittags und Abends wurden wir von zwei Finninnen mit typischen finnischen Speisen bestens versorgt. 


Ich persönlich habe schon viele Urlaube mit den unterschiedlichsten Unternehmen, die Reisen für blinde und sehbehinderte Menschen anbieten, durchgeführt. Doch nirgends fand ich bisher ein so vielfältiges Angebot, dass mit so einer Selbstverständlichkeit, Engagiertheit und Offenheit für unsere Belange durchgeführt wurde, wie bei Frauen Outdoor e. V. Kein Wunsch blieb uns unerfüllt und Hilfe wurde - wenn notwendig - gerne und in einer unaufdringlichen Weise gegeben.
Obwohl die Reise für die Mitarbeiter/innen von Frauen Outdoor manchmal sicherlich nicht so entspannend war wie für uns Teilnehmer/innen, hatten wir nie das Gefühl, dass den Mitarbeiter/innen irgend etwas zuviel sei. Auch für die drei Führhunde die mitreisten, war Finnland ein Paradies, denn während des gesamten Urlaubes sahen die Hunde kaum eine Leine.
REHACARE.de; Quelle: Rita Schroll


Ein Tag in Karelien

von Thea Lienicke

Raesärkät

Eigentlich ist für mich Finnland in erster Linie weiß, denn ich habe es im Winter kennen und lieben gelernt. Spätestens nach meinem 5 wöchigen Sommerurlaub in diesem Jahr weiß ich aber – Finnland ist v.a. auch grün und blau.
Ich habe eine Zeit lang in „Pihlajapuu“, einem alten Schulgebäude bei Nurmes, das Minna, Liisa & co. zu einem gemütlichen und komfortablen Gasthaus umgerüstet haben, Quartier bezogen.
Minna und Liisa („Äksyt Ämmät“ nennen sie sich…) - das sind zwei liebenswürdige, selbstbewusste Frauen, die einen jederzeit mit offenen Armen und Herzen in „Pihlajapuu“ willkommen heißen.
Wie schön Finnland auch im Sommer ist und wie die Einheimischen diese Jahreszeit in vollen Zügen genießen, habe ich insbesondere hier in Karelien erlebt.
  
4.8.2005
Heute geht’s mit Liisa und Familienangehörigen, einschließlich Hund Lotta, Beeren sammeln.
Ich beginne den Tag zusammen mit Sinikka, Liisas Schwester, auf der Treppe von „Pihlajapuu“ in der Morgensonne. Das ist unser Lieblingsfrühstücksplatz. Jede von uns hat ’ne Schüssel Blaubeeren auf den Knien, einen Pott heißen Kaffee bzw. Tee neben sich und natürlich paar Scheiben Roggenbrot! Anschließend genieße ich aus der Hängematte den Blick in eine Birkenkrone vor blauem Himmelshintergrund. Sinikka pflückt Himbeeren in der Hecke vor dem Gästehaus.
Jetzt kommen Liisa und Gefolge! Wir fahren mit zwei Autos in das Naturschutzgebiet „Raesärkät“ und ich bin von Anfang an von diesem wundervollen Pfleckchen Erde, das die Eiszeit so schön hinterlassen hat, begeistert.

 beim Beerenpflücken

Mit Eimern und Picknickkörben in den Händen laufen wir los, links und rechts auf unterschiedlichen Höhen sind Seen, die durch den lichten Wald glitzern, der Waldboden besteht in erster Linie aus Blaubeerkraut und es gilt nur noch, DIE geeignete Stelle zu finden. Lotta weist uns mit wedelndem Schwanz den Weg.
Nun habe ich das erste Mal in meinem Leben so einen Blaubeerkamm in den Händen und kann nur staunen, wie geschickt die Finninnen damit umgehen. Während ich grad ’mal meinen Eimerboden mit paar Beeren und gaanz viel Blättern bedeckt habe, ist Sinikkas Eimer bereits halb voll und die Farbe blau ist darin eindeutig dominant. In Anbetracht dieser ersten Pflückbilanz bin ich froh und dankbar, mich zu Liisa und den anderen zum Picknick gesellen zu dürfen. Gurke, Tomate, Brot, Butter, „pulla“, „hillo“, Kaffee, Tee, Saft… Es schmeckt einfach „herkullista“ in der Sonne auf dem Waldboden mit Blick hinab zu einem See. Ach ja, „Beerenpflücken“ ist schön… !
Nach dieser Stärkung und beim nächsten schönen Pflückplatz krieg auch ich dann langsam aber sicher den Dreh mit dem Kamm raus. Nebenbei ist meine Hauptbeschäftigung das Fotografieren. Ich kann mich nicht sattsehen an dieser schönen Landschaft hier, bin fasziniert von den Beerenmengen und drücke ständig auf den Auslöser. Das ist Finnland, denke ich die ganze Zeit!
Dann kommen wir an diese tolle Stelle, wo wir endlich auch Moltebeeren finden. Wir lassen alles stehen und liegen und folgen blindlings den gelben Tupfern auf dem hellgrünen Moos. Sinikka ist noch blaubeerorientiert und bekommt von unserer Euphorie nichts mit. Liisa und ich laufen inzwischen barfuss durch das weiche Moos. Wir haben nur unsere Kämme in der Hand. Selbst Liisa, die alle Jahre wieder auf Moltebeerensuche geht, sagt: „Soo viele auf einen Haufen hab ich noch nie gesehen!“
Das war das Stichwort. Es sieht wirklich märchenhaft aus - ein gelb betupfter Waldboden in der Sonne! Foto! Aber wo ist meine Kamera ?? Oh je, irgendwo an ’nem Baum neben den Eimern, die Schuhe haben wir später abgelegt und sind auch nicht mehr in Sicht! Ich werd fast bissel panisch - nee, nicht weil jemand stibitzen könnte, sondern, weil ich keine Ahnung habe, wie genau denselben Weg wieder zurückfinden… Aber zum Glück bin ich in finnischer, um nicht zu sagen ortskundiger, Begleitung, und nachdem wir die Moorwiese abgegrast, also alle gelben Punkte eingesammelt haben, tappel ich hinter Liisa her und finde alles wieder. Zum Glück, auch wenn eben DIESE Fotos von den Moltebeeren nicht im Kasten sind.
Nun beginnt langsam unser Rückweg zum Auto. Man glaubt gar nicht, wie schwer mit Beeren gefüllte Eimer sein können! Lotta hat’s gut! Die Picknickkörbe sind auch noch nicht ganz leer… wofür dann an ’nem Lagerfeuerplatz (in Seenähe natürlich!) gesorgt wird. Unsere Münder sind blau und die Bäuche voll, aber es schmeckt noch immer.

Thea

Inzwischen sind Sinikka und ich wieder alleine in „Pihlajapuu“. Sinikka hat schon begonnen, die Beeren zu verlesen, die sie dann später noch bis in die Nacht zu „hillo“ verarbeiten wird und ich hab’ uns Pellkartoffeln mit Möhren gekocht. Jetzt sitzen wir auf der von der Abendsonne beschienenen Veranda, futtern abermals und genießen ein Bierchen während das Feuer im Kamin prasselt!
Krönender Abschluss dieses (wie übrigens auch aller anderen Tage in Finnland) ist die Sauna!
Hmm, das tut auch dem Rücken gut, der nach Pflücken und Schleppen Erholung braucht.
Den Regen, der in der Nacht anfängt zu trommeln, höre ich trotz geöffneten Fensters nicht.
Ich schlafe tief und fest nach diesem herrlichen Tag.

Thea Lienicke