Praktischer Finnischkurs 2007
Nach kurzer Diskussion und Überlegung buchten meine Freundin Andrea und ich Anfang diesen Jahres den „Praktischen Finnischkursus“ bei Minna und Liisa. Da wir schon gewisse Grundkenntnisse der finnischen Sprache mitbrachten, waren wir recht optimistisch, dass wir diesen Kursus doch recht gut hinter uns bringen würden.
Durch regen E-Mail Kontakt im Vorfeld waren wir gut informiert, was uns erwarten würde und ich sage nur eins: wir wurden nicht enttäuscht!!!
Die im Programm angekündigten Punkte wurden so gut wie zu 100% eingehalten. Dazu muss ich aber vorweg nehmen, dass wir beide die einzigen „Schüler“ in diesem Kursus waren und daher von 9.00 Uhr Morgens bis 21.00 Uhr Abends immer die Möglichkeit hatten Finnisch zu sprechen.
Wir wurden am Flughafen Kuopio, wie versprochen, von einem „echten“ Finnen abgeholt und sicher bis zum Gästehaus Pihlajapuu gebracht, wo wir von Liisa freundlich empfangen wurden. Nach einer gemütlichen Kaffeezeit wurden uns die Hausinfos auf finnisch vermittelt.
In den folgenden Tagen dann konnten wir nicht nur die hervorragende karelische Küche in Form von leckeren Gerichten und der Gastfreundschaft genießen, sondern auch die Landschaft in und um Pihlajapuu kennenlernen.

Besuche in Nurmes, dem beeindruckendem Bomba-Haus, dem Naturpark Raesärkät, dem schönen Museumshof Murtovaara, Aug in Aug mit den Rentieren und – natürlich – der Wanderung auf dem Koli, alles in Allem war dies eine interessante und erlebnisreiche Woche.


Jeden Abend Sauna, was nach den langen Wanderungen richtig gut tat, schwimmen im nahe gelegenem See, das hervorragende Essen, welches uns Minna und Liisa abwechselnd jeden Tag auf den Tisch brachten. Sinikka, Liisas Schwester, die uns so liebevoll mit leckeren Blaubeerkuchen und ihrer herzlichen Art die Tage „versüßt“ hat. Die „Rauchsauna“ – der letzte Tag bei Liisa, mit leckerem Lachs und dem unvergessenem Erlebnis in der Rauchsauna.

Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt, und als wir am letzten Tag „hei hei“ sagen mussten, da war uns doch ein wenig schwer ums Herz und wir wären gerne länger geblieben.
Wir wurden von Minna und Liisa so herzlich aufgenommen und man hatte wirklich das Gefühlt, als dass man sich schon lange kennen würde. Diese familiäre Atmosphäre macht auch das Besondere an Pihlajapuu und Minna & Liisa aus.
Fazit: Ich würde diesen Kursus auf jeden Fall gerne und auf jeden Fall noch einmal buchen und kann ihn einfach nur weiter empfehlen!
Leider war es uns nicht gegönnt echte, lebende Elche und Bären zu treffen. Aber ich bin mir sicher, dass wir diese, wenn wir alle Möglichkeiten ausgeschöpft hätten, mit Sicherheit am Ende auch „in Natura“ gesehen hätten!!!
Unser Dank geht an Minna & Liisa, die sich so nett um uns gekümmert haben, uns soviel von Finnland und Karelien gezeigt haben und besonders mir, als Halbfinnin, mich noch einmal an die schönen Seiten meines Mutterlandes erinnert haben.
Kiitoksia paljon
Karin & Andrea
Finnland für Blinde und Sehbehinderte
04.05.2006

Langlauf
ist auch für Blinde kein Problem
© Claudia
Vilmar
Rita
Schroll vom Hessischen Koordinationsbüro verbrachte gemeinsam
mit fünf blinden und sehbehinderten Menschen sowied drei
Begleitpersonen Ende März zehn erlebnisreiche Tage in Finnland.
Auf REHACARE.de berichtet die
Diplom-Sozialarbeiterin vom
Hessischen Koordinationsbüro über den Aufenthalt in
Finnland, der von Frauen Outdoor e.V. organisiert wurde. Der Verein
bietet die Möglichkeit Sport- und Erlebnisurlaub zu
kombinieren.
Wir lebten in Salmenkyla, einem kleinen Dorf
umgeben von
verschiedenen zugeschneiten Seen, 20 Km von Nurmes und 150 Km von
Kuopio entfernt.
Wer mochte, konnte sich direkt
von dem
wunderschönen Holzhaus in dem wir wohnten, die Langlaufskier
anschnallen und loslaufen. Gemeinsame Skilanglaufübungen und
verschiedene Ausflüge mit den Ski über Seen und durch
Wälder ermöglichten, den finnischen Winter zu
erleben.
Ausflüge mit den Schneeschuhen oder dem Lappenmoped (eine Art
Stuhl mit Kufen) stand uns alternativ zur Verfügung.
Doch
selbst die sportlichsten Menschen fahren wahrscheinlich nicht nur
für
den Sport ins Ausland. Schließlich wollen die Besonderheiten
des jeweiligen Landes auch erkundet werden. Hierzu zählt in
Finnland auf jeden Fall eine Hundeschlittentour. In einem bequemen
Kufensessel sitzend wurden wir jeweils von fünf Huskies, die
sich aufgrund des dicken Winterfells sehr flauschig anfühlten,
gezogen.
In den zehn Tagen konnten wir auch am
eigenen Leib
erfahren, dass man nicht gleich stirbt, wenn man in ein mit Eiswasser
gefülltes Eisloch taucht. Dieses Ritual gehört zur
Nutzung
einer Rauchsauna. Diese Art von Sauna wird in Finnland nur zu
besonderen Anlässen in Betrieb genommen, da sie mit einer
speziellen, sehr aufwendigen Heizmethode funktioniert.

Finnland
bietet Eisfischern optimale
Bedingungen © Claudia
Vilmar
Entsprechend
des Vereinsnames "Frauen Outdoor", war auch eine
Outdoortour im Angebot. Bepackt mit Rucksack und Schlafsäcken
fuhren die Neugieren bei minus ein Grad Kälte auf
Langlaufskiern
zu einer Hütte. Dort bauten wir uns eine Schneehütte,
damit
die ganz Eisernen von uns draußen schlafen konnten. Doch auch
per Snowscouter - eine Art Moped mit Kufen - konnte man in die
Hütte
gelangen.
In den zehn Tagen bot sich auch die
Gelegenheit für
einen Stadtbummel und eine Besichtigung einer
Eisskulpturenausstellung. Die Abende verbrachten wir mit Filzen,
genossen täglich die im Haus integrierte Sauna und einmal auch
eine finnische Massage.
Trotz des
vielfältigen
Programmes fanden die Mitarbeiter/innen von Frauen Outdoor e.V. noch
Zeit für kleine Überraschungen. So wurde uns z. B.
eines
Abends gemütlich am offenen Feuer sitzend, eine
Feuerzangenbowle
serviert.
Morgens versorgten wir uns selbst im
Haus, für
Mittags nahmen wir uns ein Picknick mit oder grillten verschiedene
Leckereien in einer Kota (Hütte) am offenem Feuer. Nachmittags
und Abends wurden wir von zwei Finninnen mit typischen finnischen
Speisen bestens versorgt.
Ich
persönlich habe schon
viele Urlaube mit den unterschiedlichsten Unternehmen, die Reisen
für
blinde und sehbehinderte Menschen anbieten, durchgeführt. Doch
nirgends fand ich bisher ein so vielfältiges Angebot, dass mit
so einer Selbstverständlichkeit, Engagiertheit und Offenheit
für
unsere Belange durchgeführt wurde, wie bei Frauen Outdoor e.
V.
Kein Wunsch blieb uns unerfüllt und Hilfe wurde - wenn
notwendig
- gerne und in einer unaufdringlichen Weise gegeben.
Obwohl
die Reise für die Mitarbeiter/innen von Frauen Outdoor
manchmal
sicherlich nicht so entspannend war wie für uns
Teilnehmer/innen, hatten wir nie das Gefühl, dass den
Mitarbeiter/innen irgend etwas zuviel sei. Auch für die drei
Führhunde die mitreisten, war Finnland ein Paradies, denn
während des gesamten Urlaubes sahen die Hunde kaum eine Leine.
REHACARE.de;
Quelle: Rita Schroll
Ein Tag
in Karelien
von
Thea Lienicke
Eigentlich
ist für mich Finnland
in erster Linie weiß, denn ich habe es im Winter kennen und
lieben gelernt. Spätestens nach meinem 5 wöchigen
Sommerurlaub in diesem Jahr weiß ich aber –
Finnland ist v.a.
auch grün und blau.
Ich habe eine Zeit lang in
„Pihlajapuu“, einem alten Schulgebäude bei
Nurmes, das
Minna, Liisa & co. zu einem gemütlichen und
komfortablen
Gasthaus umgerüstet haben, Quartier bezogen.
Minna und Liisa („Äksyt
Ämmät“
nennen sie sich…) - das sind zwei liebenswürdige,
selbstbewusste Frauen, die einen jederzeit mit offenen Armen und
Herzen in „Pihlajapuu“ willkommen heißen.
Wie schön Finnland auch im Sommer
ist und wie die Einheimischen diese Jahreszeit in vollen Zügen
genießen, habe ich insbesondere hier in Karelien erlebt.
4.8.2005
Heute geht’s mit Liisa und
Familienangehörigen, einschließlich Hund Lotta,
Beeren
sammeln.
Ich beginne den Tag zusammen mit
Sinikka, Liisas Schwester, auf der Treppe von
„Pihlajapuu“ in der
Morgensonne. Das ist unser Lieblingsfrühstücksplatz.
Jede
von uns hat ’ne Schüssel Blaubeeren auf den Knien,
einen
Pott heißen Kaffee bzw. Tee neben sich und natürlich
paar
Scheiben Roggenbrot! Anschließend genieße ich aus
der
Hängematte den Blick in eine Birkenkrone vor blauem
Himmelshintergrund. Sinikka pflückt Himbeeren in der Hecke vor
dem Gästehaus.
Jetzt kommen Liisa und Gefolge! Wir
fahren mit zwei Autos in das Naturschutzgebiet
„Raesärkät“
und ich bin von Anfang an von diesem wundervollen Pfleckchen Erde,
das die Eiszeit so schön hinterlassen hat, begeistert.
Mit Eimern und Picknickkörben in
den Händen laufen wir los, links und rechts auf
unterschiedlichen Höhen sind Seen, die durch den lichten Wald
glitzern, der Waldboden besteht in erster Linie aus Blaubeerkraut und
es gilt nur noch, DIE geeignete Stelle zu finden. Lotta weist uns mit
wedelndem Schwanz den Weg.
Nun habe ich das erste Mal in meinem
Leben so einen Blaubeerkamm in den Händen und kann nur
staunen,
wie geschickt die Finninnen damit umgehen. Während ich grad
’mal
meinen Eimerboden mit paar Beeren und gaanz viel Blättern
bedeckt habe, ist Sinikkas Eimer bereits halb voll und die Farbe blau
ist darin eindeutig dominant. In Anbetracht dieser ersten
Pflückbilanz bin ich froh und dankbar, mich zu Liisa und den
anderen zum Picknick gesellen zu dürfen. Gurke, Tomate, Brot,
Butter, „pulla“, „hillo“,
Kaffee, Tee, Saft… Es schmeckt
einfach „herkullista“ in der Sonne auf dem
Waldboden mit Blick
hinab zu einem See. Ach ja,
„Beerenpflücken“ ist
schön…
!
Nach dieser Stärkung und beim
nächsten schönen Pflückplatz krieg auch ich
dann
langsam aber sicher den Dreh mit dem Kamm raus. Nebenbei ist meine
Hauptbeschäftigung das Fotografieren. Ich kann mich nicht
sattsehen an dieser schönen Landschaft hier, bin fasziniert
von
den Beerenmengen und drücke ständig auf den
Auslöser.
Das ist Finnland, denke ich die ganze Zeit!
Dann kommen wir an diese tolle Stelle,
wo wir endlich auch Moltebeeren finden. Wir lassen alles stehen und
liegen und folgen blindlings den gelben Tupfern auf dem
hellgrünen
Moos. Sinikka ist noch blaubeerorientiert und bekommt von unserer
Euphorie nichts mit. Liisa und ich laufen inzwischen barfuss durch
das weiche Moos. Wir haben nur unsere Kämme in der Hand.
Selbst
Liisa, die alle Jahre wieder auf Moltebeerensuche geht, sagt:
„Soo
viele auf einen Haufen hab ich noch nie gesehen!“
Das war das Stichwort. Es sieht
wirklich märchenhaft aus - ein gelb betupfter Waldboden in der
Sonne! Foto! Aber wo ist meine Kamera ?? Oh je, irgendwo an
’nem
Baum neben den Eimern, die Schuhe haben wir später abgelegt
und
sind auch nicht mehr in Sicht! Ich werd fast bissel panisch - nee,
nicht weil jemand stibitzen könnte, sondern, weil ich keine
Ahnung habe, wie genau denselben Weg wieder
zurückfinden… Aber
zum Glück bin ich in finnischer, um nicht zu sagen
ortskundiger,
Begleitung, und nachdem wir die Moorwiese abgegrast, also alle gelben
Punkte eingesammelt haben, tappel ich hinter Liisa her und finde
alles wieder. Zum Glück, auch wenn eben DIESE Fotos von den
Moltebeeren nicht im Kasten sind.
Nun beginnt langsam unser Rückweg
zum Auto. Man glaubt gar nicht, wie schwer mit Beeren gefüllte
Eimer sein können! Lotta hat’s gut! Die
Picknickkörbe
sind auch noch nicht ganz leer… wofür dann an
’nem
Lagerfeuerplatz (in Seenähe natürlich!) gesorgt wird.
Unsere Münder sind blau und die Bäuche voll, aber es
schmeckt noch immer.

Inzwischen sind Sinikka und ich wieder
alleine in „Pihlajapuu“. Sinikka hat schon
begonnen, die Beeren
zu verlesen, die sie dann später noch bis in die Nacht zu
„hillo“ verarbeiten wird und ich hab’ uns
Pellkartoffeln mit
Möhren gekocht. Jetzt sitzen wir auf der von der Abendsonne
beschienenen Veranda, futtern abermals und genießen ein
Bierchen während das Feuer im Kamin prasselt!
Krönender Abschluss dieses (wie
übrigens auch aller anderen Tage in Finnland) ist die Sauna!
Hmm, das tut auch dem Rücken gut,
der nach Pflücken und Schleppen Erholung braucht.
Den Regen, der in der Nacht anfängt
zu trommeln, höre ich trotz geöffneten Fensters
nicht.
Ich schlafe tief und fest nach diesem
herrlichen Tag.
Thea Lienicke